IT-Infrastruktur-Konzept SAM Chisinau¶
Dieses Dokument beschreibt die technische Zielarchitektur für den Aufbau und Betrieb der IT-Infrastruktur der SAM in Chisinau. Es dient als Planungsgrundlage für Schulleitung, Bildungsdirektion und IT-Verantwortliche.
1. Zielsetzung¶
Ziel ist eine IT-Infrastruktur, die den Unterricht in Labor, Werkstätte und Klassenraum zuverlässig unterstützt, gut wartbar bleibt und BYOD-fähig ist.
2. Leitprinzipien¶
| Prinzip | Umsetzung |
|---|---|
| Plattformunabhängigkeit | Linux für Labor-PCs, Unterstützung von macOS und Windows im BYOD-Bereich |
| Cloud-First-Ansatz | Browserbasierte Zusammenarbeit, zentrale Dienste und möglichst geringe lokale Abhängigkeiten |
| Open Source bevorzugt | Ubuntu LTS, Ansible, Git, KiCad, VS Code oder VSCodium, Onshape |
| Automatisierbarkeit | Standardisierte Installation, Konfiguration und Wartung über Ansible und zentrale Images |
| Sicherheit by Design | Rollenbasierter Zugriff, Netzwerksegmentierung, Protokollierung, Backups und Patch-Management |
| Pädagogische Alltagstauglichkeit | Niedrige Einstiegshürde für alle Jahrgänge, klare Workflows für Laborübungen und Diplomarbeiten |
3. Anforderungen¶
Die Anforderungen werden in pädagogische, technische und organisatorische Bereiche gegliedert.
3.1 Pädagogische Anforderungen¶
| Anforderung | Erwartung |
|---|---|
| Laborbetrieb | Stabiler Betrieb auch bei hoher Auslastung |
| Softwareumgebung | Einheitliche Arbeitsumgebung über mehrere Jahrgänge |
| Fachunterricht | Unterstützung von Elektronik, Embedded Systems, Dokumentation und Projektarbeit |
| Zusammenarbeit | Gruppenprojekte mit Versionsverwaltung |
| Lernmaterialien | Zugriff über Browser und Schulplattformen |
3.2 Technische Anforderungen¶
| Anforderung | Erwartung |
|---|---|
| Benutzerverwaltung | Zentrale Benutzer- und Geräteverwaltung |
| Clientbereitstellung | Automatisierte Installation von Labor-PCs |
| Netzwerkstart | PXE für Neuaufsetzung und Klonverfahren |
| Netzwerksegmentierung | Trennung von Verwaltung, Unterricht, Labor und Gästen |
| Netzwerkanbindung | WLAN und LAN für Unterricht und BYOD |
| Datensicherung | Regelmäßige Backups und definierte Recovery-Prozesse |
3.3 Organisatorische Anforderungen¶
| Anforderung | Erwartung |
|---|---|
| Rollen | Klare Zuständigkeiten für IT, Kustos und Fachkoordination |
| Prozesse | Dokumentiertes Onboarding, Störungsbehebung und Geräteaustausch |
| Skalierbarkeit | Erweiterbar für zusätzliche Jahrgänge, Labore und Fachbereiche |
4. Zielarchitektur¶
4.1 Gesamtbild¶
Das Konzept setzt auf eine hybride Architektur mit klar getrennten Ebenen. Interne Dienste bleiben in der Schule, öffentlich erreichbare Dienste werden auf einem externen Server betrieben.
| Ebene | Inhalt |
|---|---|
| Netzwerk | VLANs, Managed Switches und Firewall |
| Identität | Zentrales Verzeichnis und SSO, soweit sinnvoll umsetzbar |
| Endgeräte | Ubuntu LTS, BYOD-Geräte und Labor-Images |
| Automatisierung | Ansible, PXE und imagebasierte Bereitstellung |
| Anwendungen | Git, Onshape, KiCad, VS Code oder VSCodium, PlatformIO |
| Daten | Netzlaufwerke, Git-Repositories und Cloud-Speicher |
4.2 Netzwerkarchitektur¶
Die Netzwerkstruktur soll die unterschiedlichen Bereiche der Schule sauber voneinander trennen. Dadurch werden Sicherheit, Wartbarkeit und Stabilität verbessert.
| Segment | Zweck | Zugriff |
|---|---|---|
| Verwaltung | Sekretariat, Direktion, sensible Verwaltungsdaten | Stark eingeschränkt |
| Lehrpersonal | Lehrerarbeitsplätze, Noten und Unterrichtssysteme | Intern und kontrolliert |
| Labor | Labor-PCs, Messgeräte, Programmierstationen | Interne Dienste |
| BYOD | Schülergeräte im WLAN | Nur notwendige Dienste |
| Gäste | Besucher und Veranstaltungen | Nur Internet |
| Server | Zentrale Dienste, PXE, Git, Monitoring, Backup | Nur administrativ erreichbar |
4.3 Internet und WLAN¶
Eine stabile Internetanbindung und ein gut ausgebautes WLAN sind für den Unterrichtsbetrieb wesentlich, besonders bei browserbasierten Diensten und BYOD.
| Punkt | Vorgabe |
|---|---|
| WAN | Ausreichend dimensionierter symmetrischer Anschluss, möglichst mit Redundanzoption |
| Firewall | Content- und DNS-Schutz |
| WLAN | Flächendeckend in Klassen, Laboren und Gemeinschaftsbereichen |
| SSIDs | Getrennt für Personal, SchülerInnen und Gäste |
5. Server und Dienste¶
Die Schulservices sind auf einer eigenen Seite beschrieben. In diesem Kapitel geht es daher nur um die technische Rolle der Serverplattform als Grundlage für diese Dienste.
5.1 Kernserverdienste¶
| Dienst | Zweck |
|---|---|
| Verzeichnisdienst | Verwaltung von Benutzern und Gruppen |
| DHCP, DNS, PXE | Netzwerkbetrieb und Installation der Labor-PCs |
| Git-Server | Code, Dokumentation und Hardwareprojekte |
| Dateiablage | Lehrmaterialien und freigegebene Projektdaten |
| Backup | Sicherung, Versionierung und Wiederherstellung |
| Monitoring | Protokollierung und Statuskontrolle |
5.2 Plattform¶
Die Dienste werden bewusst auf zwei Plattformen verteilt. Interne Dienste bleiben in der Schule, öffentlich erreichbare Dienste laufen auf einem externen Server.
| Plattform | Verwendung | Kosten ungefähr |
|---|---|---|
| Lokaler Schulserver | DHCP, DNS, PXE, Git, Ansible, Backup | 1.500 bis 2.500 € einmalig für den Server, plus Infrastruktur |
| VPS bei internex in Wien | Öffentliche Dienste, Homepage und Moodle | 4 € pro Monat in der Startphase, 5 € pro Monat im Vollausbau |
Der lokale Server übernimmt die internen Dienste. Moodle und Homepage laufen auf dem VPS. Dadurch bleiben interne Schulservices und öffentlich erreichbare Angebote sauber getrennt.
6. Client- und Laborstrategie¶
6.1 Labor-PCs¶
Die Laborrechner werden auf Ubuntu LTS standardisiert. Damit entsteht eine stabile, gut dokumentierbare und automatisierbare Umgebung für Embedded-Entwicklung, Elektronik-Design, Python, C, Mikrocontroller und browserbasierte Projektarbeit.
6.2 Standardsoftware¶
| Kategorie | Standard |
|---|---|
| IDE oder Editor | VS Code oder VSCodium |
| Embedded | PlatformIO |
| ECAD | KiCad |
| 3D-CAD | Onshape im Browser |
| Versionsverwaltung | Git |
| Dokumentation | Markdown, Overleaf, Obsidian |
| Browser | Aktueller Enterprise-tauglicher Browser |
| Hilfswerkzeuge | Terminal, SSH, SCP, Python |
6.3 Rollout¶
Die Labor-PCs sollen möglichst einheitlich und mit geringem manuellem Aufwand bereitgestellt werden. Dadurch bleiben die Arbeitsplätze vergleichbar und können bei Problemen rasch wiederhergestellt werden.
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Master-Image pro Laborart erstellen |
| 2 | PXE oder Image-Deployment vorbereiten |
| 3 | Test in einer kleinen Gruppe durchführen |
| 4 | Ausrollung und Nachkonfiguration per Ansible |
7. Automatisierung mit Ansible¶
Ansible wird für die wiederkehrenden Administrationsaufgaben eingesetzt. Dazu gehören Softwareinstallation, Benutzer- und Rechtekonfiguration, Systemhärtung, Drucker- und Netzlaufwerkskonfiguration sowie Wartungsaufgaben.
Damit lassen sich Labor-PCs nachvollziehbar konfigurieren. Änderungen können dokumentiert, getestet und auf mehrere Geräte ausgerollt werden, ohne jeden Rechner einzeln bearbeiten zu müssen.
Beispiel¶
- name: Labor-PC Grundkonfiguration
hosts: labor_clients
become: true
tasks:
- name: Pakete installieren
ansible.builtin.package:
name:
- git
- python3
- openssh-client
- code
state: present
- name: Arbeitsverzeichnis anlegen
ansible.builtin.file:
path: /srv/labor
state: directory
mode: '0755'
8. PXE und Imaging¶
PXE ermöglicht die schnelle Neuinstallation oder das Wiederaufsetzen von Laborrechnern ohne USB-Sticks. Das reduziert Ausfallzeiten und vereinfacht die Pflege vieler gleichartiger Geräte.
| Nutzen | Wirkung |
|---|---|
| Schnelles Provisioning | Neue Geräte sind rasch einsatzbereit |
| Einheitliche Images | Gleiche Arbeitsumgebung in allen Klassenräumen |
| Wiederherstellung | Fehlkonfigurationen lassen sich schnell beheben |
| Kein Medienmanagement | Keine USB-Sticks im Tagesbetrieb notwendig |
9. BYOD¶
BYOD ist als ergänzendes Modell vorgesehen. Schulische Kernprozesse müssen aber immer auch auf Laborgeräten zuverlässig möglich sein. Private Geräte können den Unterricht unterstützen, dürfen aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht sein.
| Punkt | Vorgabe |
|---|---|
| Mindestanforderung | Aktuelles Betriebssystem mit Sicherheitsupdates |
| Browser | Aktueller Browser |
| Anschluss | WLAN-Fähigkeit |
| Optional | SSH-Client, Git, Editor, PDF-Reader |
| Plattformen | Windows, macOS und Linux |
10. Sicherheit und Datenschutz¶
10.1 Basismaßnahmen¶
Sicherheit soll nicht nachträglich ergänzt werden, sondern von Beginn an Teil der Architektur sein. Die wichtigsten Maßnahmen betreffen Zugriff, Netztrennung, Updates und Wiederherstellung.
| Maßnahme | Ziel |
|---|---|
| Rollen- und gruppenbasierter Zugriff | Klare Berechtigungen |
| Netzwerksegmentierung | Geringere Angriffsfläche |
| Patch- und Updateprozess | Aktuelle Systeme |
| MFA für Adminzugänge | Schutz kritischer Konten |
| Wiederherstellungstests | Überprüfbare Backups |
10.2 Datenschutz¶
Personenbezogene und schulorganisatorische Daten müssen besonders geschützt werden. Für Unterrichts- und Projektarbeit sollen getrennte Ablagen und klare Zuständigkeiten vorgesehen werden.
| Bereich | Vorgabe |
|---|---|
| Verwaltungsdaten | Hoher Schutzbedarf |
| Schülerprojekte | Getrennte Ablagen und Versionierung |
| Verarbeitung personenbezogener Daten | Nur auf freigegebenen Systemen |
11. Backup und Recovery¶
Backups sind nur dann sinnvoll, wenn auch die Wiederherstellung regelmäßig getestet wird. Deshalb soll nicht nur gesichert, sondern auch klar dokumentiert werden, wie Systeme und Daten im Fehlerfall wiederhergestellt werden können.
| Sicherungsobjekt | Inhalt |
|---|---|
| Serverkonfigurationen | Dienste und Einstellungen |
| Git-Repositories | Software, Dokumentation und Hardwareprojekte |
| Benutzer und Gruppen | Verzeichnisdienst |
| Freigegebene Projektdaten | Unterricht und Werkstätte |
| Ansible-Inventories | Automatisierung und Deployment |
| Strategie | Umsetzung |
|---|---|
| Tägliche Sicherungen | Inkrementell |
| Regelmäßige Vollsicherungen | Versioniert |
| Getrennte Kopie | Mindestens eine Sicherung separat |
| Tests | Wiederherstellung in festen Intervallen |
12. Betrieb und Support¶
Für den laufenden Betrieb braucht es klare Rollen und einfache Prozesse. Besonders wichtig ist, dass Störungen nachvollziehbar gemeldet, priorisiert und dokumentiert werden.
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| IT-Verantwortlicher | Betrieb, Wartung und Sicherheitsfreigaben |
| Kustos oder Laborverantwortung | Fachliche Koordination und Gerätepflege |
| LehrerInnen | Nutzung und Störungsmeldung |
| Externe Dienstleister | Spezialwartung und Infrastruktur |
| Prozess | Beschreibung |
|---|---|
| Störungsmeldung | Zentrales Meldesystem |
| Priorisierung | Nach Unterrichtsrelevanz |
| Erstdiagnose | Standardisierte Checklisten |
| Eskalation | Dokumentiert bei Ausfällen von Kernsystemen |
13. Einführungsplan¶
Die Einführung sollte schrittweise erfolgen. So können technische Probleme früh erkannt und Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb in den weiteren Ausbau übernommen werden.
| Phase | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Netzwerk, Firewall, Server, Backup und Verzeichnisdienst |
| 2 | Pilotlabor mit Standardimage |
| 3 | Fachsoftware, Git, Onshape, KiCad und Dokumentationsworkflow |
| 4 | Erweiterung auf weitere Labore und Jahrgänge |
| 5 | Laufende Evaluierung und Anpassung |
14. Schlussfolgerung¶
Die vorgeschlagene Infrastruktur ist technisch gut umsetzbar, wirtschaftlich vertretbar und pädagogisch sinnvoll. Sie verbindet Linux-basierte Laborarbeitsplätze, BYOD-Fähigkeit, browserbasierte Zusammenarbeit und automatisierten Betrieb zu einer stabilen Plattform für die SAM in Chisinau.
Wesentlich ist dabei, dass die Infrastruktur nicht nur für den Start funktioniert, sondern auch im laufenden Schulbetrieb wartbar bleibt. Durch klare Zuständigkeiten, standardisierte Installationen, getrennte Netzbereiche und definierte Backup- und Recovery-Prozesse entsteht eine Grundlage, die mit der Schule mitwachsen kann.